Preußisches Bleisatz-Magazin
Satire

Monsterus Deliciosus 4.192 views 1

Nomen est Omen. Die Verballhornung aus dem Titel stammt übrigens von Angela G., meiner ersten großen Liebe. Wir waren beide im zarten Alter von 16 Jahren und standen kurz vor dem Abschluß des Kleinen Latinum. Wir kamen einander immer näher. Naja, eigentlich klebten wir ausschließlich auf- und ineinander, wenn wir zusammen waren. Man schrieb das Jahr 1971, ein Jahr, das in die Epoche der «Make Love, Not War» fiel. Unsere Generation brach mit Tabus ohne Ende und ohne Rücksicht auf sinnvoll oder unsinnig. Wir stellten alles in Frage, außer uns selbst. Heute verläuft der Zeitgeist genau umgekehrt: Ein jeder stellt sich selbst in Frage und Tabus zum Brechen gibt es längst nicht mehr. Mit 16 Jahren ist man nicht einmal stolz auf einen solchen Kosenamen — man nimmt ihn für selbstverständlich (hat ja auch sonst so gut wie nichts anderes im Kopf), weil man nicht weiß, daß es mit den Jahren auch noch ganz anders kommen wird.

Ich will gar nicht lange drumherum reden: Mein Monsterus Deliciosus macht mir seit nunmehr einem halben Jahr schweren Kummer: Er wächst einfach nicht mehr. Dabei habe ich nichts unversucht gelassen. Es gibt ja da diverse Mittelchen in flüssiger und auch fester Form, selbst Zäpfchen habe ich eingeführt. Passiert ist nichts. Das Ding hängt traurig, der Schwerkraft folgend, nach unten.

In der letzten Woche bin ich auf wohlwollenden Rat einer sehr erfahrenen Dame doch tatsächlich hingegangen und habe ihn mit warmem Wasser vorsichtig abgewaschen und -getupft. Und habe ihm dabei (laut!) gut zugeredet, um ihn so zu motivieren, sich endlich wieder einmal kraftstrotzend in die Höhe zu recken. Ich meine sogar, einen kleinen Erfolg registriert zu haben. Aber nach 15 Minuten war damit auch schon wieder Schluß. Vielleicht habe ich zu grobe Hände? Ich muß die besagte Dame doch einmal fragen, ob sie nicht vorbeischauen kann, um selbst Hand anzulegen.

Denn sonst bleibt mir nur die ultimative Lösung — nein, nein. NOCH denke ich darüber nicht sehr konkret nach. Aber ich habe damit begonnen. Mag «Er» das nun als Drohung auffassen und erst recht erschlaffen oder auch nicht. Irgendwann ist Schluß mit lustig, dann kommt das Ding ab. Ich habe schon einmal ein scharfes Messer herausgesucht und bereitgelegt. Entweder es tut sich nun innerhalb der nächsten 14 Tage etwas Konkretes und das Ding gedeiht wieder — ob nun von selbst oder unter Zuhilfenahme diverser Mittelchen und Hilfsmittel aus dem Spezialhandel — oder ich mache Schluß. Aber eines ist sicher: Noch einmal tue ich mir das alles dann nicht mehr an.

Schauen Sie selbst! Hier ein Bild meines Exemplares der Gattung Grandiosa Deliciosa. Das ist eine Kletterpflanze aus Südamerika und sollte einmal die ganze Wandecke hinauf- und hinunterwuchern. Ich wollte sogar so einen bunt bemalten Holz-Papagei kaufen und ihn in den «Urwald» stecken. Im Urinal klebt das Abbild einer kleinen Fruchtfliege als Motivationshilfe beim Zielen. Denn ich, ne? Also ich pinkel wieder im Stehen! Was haben Sie denn gedacht, worüber ich hier schreibe?

Aber zurück zum Thema: Haben Sie vielleicht ein paar gute Tipps, wie ich das Teil wieder hochkriege?

Monstera Deliciosa

  1. Kommentar by Thomas Kersting — 3. April 2010 @ 23:21

    Herr Kraus…
    Sie sind mir vielleicht ein Witzbold! Das Problem ist doch ganz klar zu erkennen: Sie können ihn weder mit geschürzten Lippen noch Zäpfchen und Wässerchen nach oben locken, denn er will nur Licht. Auf dem Bild ist eindeutig ein Fenster unten auf dem Boden zu sehen und folglich will Ihr Prachtstück dort hin.
    Ich wünsche schöne Ostertage und bunte Eier…

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL