Preußisches Bleisatz-Magazin
Stimmungsbilder

Nach meinem Tod 2.905 views 0

Das Sterben bedeutet für mich das Passieren eines Tores in die andere Welt. Vor Jahren habe ich sehr lange mit einem befreundeten Mönch über die Frage diskutiert, welches denn nun das „richtige“ Leben sei. Das diesseitige oder das jenseitige. Schaue ich mir das Leben im Hier und Jetzt an, dann kommen mir häufig Zweifel. Aber letztendlich liegt es wohl wirklich nicht an mir, dies zu entscheiden. Hier muß ich einfach vertrauen, daß es einen Sinn macht, so, wie es halt ist.

Natürlich bewegt mich die Frage, wie ich durch eben dieses Tor hindurch komme. Und ich muß zugeben, daß ich mir hier bewußt eine sehr persönliche Option offenhalte, selbst zu entscheiden, was ich noch ertragen kann und was nicht. Aber letztendlich wird es durchschritten sein.

Bin ich einmal drüben, so wird mich eine tiefe innere Grundzufriedenheit mit meinem neuen Dasein erfüllen, denn ich werde bei Ihm sein. Aber dieses Dasein wird nicht ausschließlich aus diesem einen Gefühl bestehen können. Auch dort wird das Dasein gelebt. Also male ich es mir aus. Male es mir so, wie ich zutiefst zufrieden wäre.

Ich werde angeln gehen mit meinem Vater. Allein, wieder mit ihm zusammen zu sein, gemeisnam etwas unternehmen zu können, mit ihm reden, ihn fragen, ihm erklären zu können, macht mich sehr glücklich. Wir werden wie früher an einem See oder vielleicht sogar an einem Fluß sitzen, unsere Angeln werden flach am Ufer fixiert liegen. Ich werde auf einem Grashalm kauen und meinem Vater zuhören, der mir von seinem Leben erzählt. Natürlich werde ich alle diese Geschichten und Episoden kennen und immer wieder an denselben Stellen mit ihm lachen.

Wir werden ein paar der gefangenen Fische ausnehmen und über einem kleinen Feuer braten. Dabei im Gras liegen und zu den Wolken hinaufschauen, denen wir Namen geben und Formen zuordnen. Am Abend werden wir das Feuer etwas größer machen und die alten Lieder singen. Vielleicht kommen ein paar der anderen Angler vorbei, angezogen vom Licht des Feuers. Wir werden gemeinsam die Erinnerungen lebendig werden lassen und uns an ihnen erfreuen.

Und wir werden alle Brüder sein.

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