Preußisches Bleisatz-Magazin
Kochen

Weißwurst und das Web 2.0 2.658 views 2

Mögen nun alle bayerischen Leser diesen Artikel bitte als Aufforderung zum Tanz verstehen: Ja, ich bin Preuße. Ja, ich weiß, wie Ihr Bayern von mir als Preußen denkt. Das ist schon in Ordnung. Aber jetzt brauche ich Unterstützung:

Vor vielen Jahren, es muß so um 1990 herum gewesen sein, arbeitete ich eine zeitlang bei der der Süddeutschen Zeitung angeschlossenen DJS, der Deutschen Journalistenschule am Altheimer Eck in München. Damals unter der Führung von Frohner und der bezaubernden Mercedes Riederer, die, wie ich letztlich las, nun eine große Nummer beim Bayerischen Rundfunk ist.

Die Süddeutsche Zeitung war in der damaligen Zeit der einzige Zeitungsverlag, in dem Bier erlaubt war. Nun muß man verstehen, daß Alkohol in Großdruckereien, gerade in den Rotationsbetrieben, strengstens untersagt war und wohl auch ist. Viel zu gefährlich. Aber in Bayern ticken die Uhren anders. Das habe ich gelernt.

Der damalige Haustechniker der Süddeutschen war ein großer, hagerer Kerl. Ich bin 1,87 m groß, aber der überragte mich um mehr als Haupteslänge. Grobe Gesichtszüge, wie von der Axt geschlagen und mit einem herzensguten Wesen gesegnet. Er konnte arbeiten wie ein Pferd — da waren wir also schon zwei — aber er hatte eine Heilige 1/2 Stunde: Brotzeit. Pünktlich um halb 11 in der früh ließ er alles fallen, rief «Brotzeit» und packte aus. Und immer, wirklich immer hatte er sich zuvor vom Automaten in der Kantine der Süddeutschen eine Flasche Bayerisches Bier geholt. Ist das Weizen? Ich weiß es nicht, trinke ja keinen Alkohol. Wir saßen dann zusammen in irgendeiner Ecke, ich trank Kaffee und rauchte meine Gauloise und er vertilgte eine riesige Portion, so schien es mir, Fleischkäse oder Haxe oder aber auch Weißwürste.

Immer bot er mir von seiner Brotzeit an. Manchmal probierte ich auch. Und die Weißwürste haben es mir seitdem angetan. Der Kollege Haustechniker erklärte mir auch genau den Unterschied zwischen Zutzeln — der Art des Entpellens der Weißwurst, wie es richtig sei. Und der preußischen Art des Weißwurst-Essens, die natürlich «a Sünd’» sei.

Vor ein paar Tagen überkam es mich dann. Ich besorgte mir von meinem Rheinland-Metzger zwei Weißwürste, schaute nach bayerischem Süßen Senf und legte, mangels besserem, einen Kartoffelsalat von Hohmann mit in den Einkaufskorb.

Oh ja. Ich sehe jetzt den Hohn in den Gesichtern meiner bayerischen Leser. Stimmt: Es schmeckte nicht. Oder besser: Es schmeckte falsch.

Nun zum Web 2.0: Das bedeutet Interaktion. Hin und her. Miteinander kommunizieren. Also bitte: Lassen Sie uns jetzt Web 2.0 spielen:

Wo bekomme ich hier in Düsseldorf schmackhafte Weißwürste her? Muß man die wirklich nur sieden lassen, so wie Brühwürste? Was ißt man dazu? Wieviele Weißwürste braucht man für eine gute Männerportion?

Hülf, Bayern, hülf dem Reich! Hülf, Kamerad.

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  1. Kommentar by Fighter_Cookie — 4. Juli 2010 @ 10:37

    Aaaalso ……

    Weisswürscht werden niemals nicht mit Kartoffelsalat gegessen.

    Die idealen jahrtausendlang überlieferte Vorgehensweise wäre :
    Die Weisswurst s i e d e n da die Haut sehr empfindlich ist
    Serviert in einer Terrine mit gesalzenem heissen Wasser (sonst laugen sie aus!)
    Mit süßem Senf (Marke ist egal, jedoch sollte der süße Johann Konrad Develey auch in Düsseldorf zu erhalten sein)
    De Wurst fühlt sich am wohlsten in Begleitung mit einer Laugenbreze und einem schönen wohltemperierten Weissbier.

    Genießt Du dann DeineWeißwurst noch VOR Mittag dann sieht dich auch in München (der Hochburg der WW) K E I N einheimischer schräg an denn eine „gstandene Weisswurscht“ darf das Mittagsläuten gar niemals nicht hören.

    Die Art des Verzehrs ist nicht die entscheidende. Zuzeln, aufschneiden ist ganz egal jedoch wird im allgemeinen das barbarische abbeissen mitsammt der Haut missbilligend betrachtet

    ich hoffe ich konnte weiterhelfen

  2. Kommentar by Preuße — 4. Juli 2010 @ 11:16

    Ganz herzlichen Dank für die Aufklärung.
    Ich werde demnächst hier einmal eine korrekt zusammengestellte Weißwurst-Brotzeit besprechen. ^^

    Auf diesem Wege auch ein Dankeschön an die freundlichen Foren-Teilnehmer der Münchner Abendzeitung, die mir mit Rat zur Seite stannden:
    http://www.spin.de/forum/277/-/e855

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