Preußisches Bleisatz-Magazin
Messer raus

«Innerer Reichsparteitag für Miro Klose» 2.819 views 0

Und schon bekommt die WELT im pawlow’schen Reflex Schnappatmung und droht der Modaratorin, Frau Müller-Hohenstein, unverhohlen mit einer ähnlichen Hexenjagd wie einst die der Eva Hermann bei B. Kerner, als die lobenswertes zur Familienpolitik im Nationalsozialismus äußerte.

Wobei Co-Moderator Oliver Kahn verstanden zu scheint (Respekt), was überhaupt gemeint war, als er von «Erlösung für Miro Klose» sprach. Die Bemerkung der Moderatorin zielte ganz sicher nicht auf das reine Faktum der Reichsparteitage, sondern eher auf deren Inszenierung, dem bewußten Aufbau der Spannung bis zum gewollten Höhepunkt: «Dem Auftritt des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitlers als  Erlöser des deutschen Volkes.» Genau das ist die Kernaussage des Propagandafilmes der Leni Riefenstahl, genau nahm die Moderatorin auf und verwendete es als Metapher. Nur Springer-Publikationen wie die WELT, die sich selbst als Deutschlands Heilige Inquisition gegen den Nationalsozialismus gebärdet und fähig wäre, selbst ein Verbot für Vegetarier zu fordern — eben weil Adolf H. einer war, unterstellt Übles. Schlag ein Ei drüber und kauft/lest dieses Revolverblatt einfach nicht mehr.

Leni Riefenstahls Meisterwerk «Triumpf des Willens» inszeniert den Reichsparteitag der NSDAP von 1935 als künstlerisch und bemerkenswert. Der Film beginnt mit sehr leisen und beschaulichen Aufnahmen aus einem Flugzeug heraus auf die Altstadt Nürnberg, 1934 noch nicht in Grund und Boden gebombt. Es zeigt die organisatorischen Vorbereitungen des Reichsparteitages, die SA-Männer, die aus allen Teilen Deutschlands nach Nürnberg eilen. Er zeigt faszinierende Sequenzen vom Lichtdom, gebildet aus hunderten von Flakscheinwerfern, die, um das Stadion herum, in den Himmel strahlen. Alles konzentriert sich auf einen Punkt auf der Bühne. Und ein Aufschrei löst die Spannung, als dort die Lichtgestalt erscheint — Adolf Hitler. Genau so ist der Film inszeniert. Genau so leicht ist er für jeden 14jährigen heute auch als Propaganda zu interpretieren, ohne daß dies der künstlerischen Wertung des Werkes etwas wegnimmt. Liebe WELT, hört doch endlich auf, die Deutschen an der Nase herumzuführen und legt die Nazikeule endlich in den Sperrmüll, wo sie hingehört. Es wird langweilig.

Der Film ist in der BRD nur unter erschwerten Bedingungen zu sehen, unterliegt also einer politischen Zensur. Wir Nachrkriegsdeutsche sind nicht reif und erwachsen genug, als daß unsere eigene Regierung uns zutraut, die NS-Propaganda in diesem Film zu entdecken. Die Zensur ist übrigens leicht zu umgehen. Über Ebay USA kann man das Werk ohne Probleme für kleines Geld bestellen. Es lohnt sich wirklich. Die Kameraführung ist exzellent.

Wie falsch eine solche Zensur ist, zeigen manche Blogger-Kommentare, die die Reichsparteitage mit den Bundesparteitagen der BRD vergleichen bzw. gleichsetzen. Aber wie sollen sie das lernen, wenn sie «Triumpf des Willens» gar nicht sehen dürfen. Zensur ist immer kontraproduktiv.

Mir bleibt nur, mich bei Frau Müller-Hohenstein für die kompetente Moderation zu bedanken und ihr für ihren weiteren Weg außerhalb der 4. Gewalt, unseren demokratischen Medien der demokratischen BRD, zu wünschen. Sie wird den Weg der Eva Hermann gehen. Dafür sorgen WELT und andere Blockwart-Typen in den nächsten Tagen.

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