Preußisches Bleisatz-Magazin
Stimmungsbilder

Volvic Sommer Edition Cocos-Limette 5.501 views 0

Ich bin seit vielen Jahren bekennender Volvic-Trinker. Ja, ich weiß, daß es billigere Wässer gibt. Und mir ist auch klar, daß Volvic kein deutsches Produkt ist. Und aus welchem Grunde sollte ich ein französisches Produkt trinken, wenn es auch bei uns in Deutschland Stille Wässer gibt? Aber das interessiert mich alles nicht. Wir deutsch-national Denkenden (schnarr-schnarr, Hacken zusammenschlagen, jawoll, Herr Major) haben längst unseren Frieden mit dem Franzosen an sich gemacht. Unsere Völker haben einander als Erbfeinde  jahrhundertelang gegenseitig die Köpfe eingeschlagen. In der zehnmonatigen Schlacht um Verdun vom Februar 1916 beklagten beide Seiten nach späteren seriösen Schätzungen rund 1 Millionen Gefallene bei ca. 2,4 Millionen eingesetzter Soldaten. Nach diesem Schlachten und dem Ende des Großen Weltenbrandes war der Blutrausch vorbei. Viele Jahre lang reichten sich die ehemaligen Gegner über die Gräber der toten Kameraden hinweg die Hände zur Versöhnung — siehe u.a. Ernst von Salomon, «Der Fragebogen» Also kann ich auch mit ruhigem Gewissen deren Volvic trinken.

Ich habe ja auch kaum eine Alternative: Blubber-Wasser mit Kohlensäure mag ich nicht und brachte mir einmal den Spitznamen «Georgie, das rülpsende Rhino» ein. Eine Unverschämtheit. Ich bin zwar groß und stark gebaut, aber ich habe zum Beispiel für einen Mann sehr schöne schmale Hände. Ideal für einen Klavierspieler, der ich leider nicht bin. Produkte von Coca Cola trinke ich aus Prinzip nicht — wirklich. Zum einen ist diese gezuckerte Brause furchtbar ungesund — was aber nichts mit meinen Prinzipien zu tun hat, denn Ungesundes hat mich (leider) noch nie abgeschreckt. Coca Cola ist für mich ein Synonym für das U$-System. So, wie United Fruits, Disney, American Airlines und so…, um nur die harmloseren zu nennen. Obstsäfte haben viel zuviel Fruchtzucker und löschen den Durst nicht. Also kommen nur Stille Wässer für mich in Frage. Ich habe sie alle durchprobiert, aber im besten Fall schmecken sie (mir) neutral wie Leitungswasser. Nur eiskaltes Volvic hat etwas besonderes. 1,5—2 Liter am Tag dürfen es sein, im Sommer kann es auch mehr werden, gerade, wenn ich körperlich arbeiten muß.

Ab und zu brauche ich dann auch einmal ein anderes Getränk mit Geschmack. Bitte ohne oder mit mindestmöglicher Zahl an Kalorien, bitte nicht zu süß, das verklebt einem nur den Mund. Also bringe ich mir auch einmal Volvic Apfel mit oder Volvic Eistee mit. Beide kommen wirklich gut.

Aber jetzt ist sie da, die Volvic Sommer Edition Cocos-Limette. Was für ein geiles Gesöff. Tatsächlich bemerkte ich erst nach den ersten tiefen Schlucken — Volvic trinkt man grundsätzlich und überall direkt aus der 1,5 Liter-Flasche, nicht aus dem Glas —, daß es sich gar nicht um das vertraute Volvic Apfel handelt. Eine deutliche Spur säuerlicher, erfrischender mit einem sanften Nachgeschmack nach Kokosnuß. Ich habe heute sofort für Nachschub gesorgt. 2,4 g Zucker auf 100 ml, was einem Brennwert von 10,8 kCal entspricht — akzeptabel. Die Marke Volvic gehört zum weltweiten Food-Konzern Danone, der Nr. 1 unter den Milchprodukte vertreibenden Konzernen und wird von der Tochter Danone Waters GmbH vermarktet.  Wie gesund die produzieren, sieht man schon an dem grünen Schilf-Hintergrund auf deren Netzseite. Klar? Klar!

Ich wollte mich beim Hersteller bedanken, die normalerweise eine für den Anrufer kostenlose 0800-Nummer für solche Fälle anbieten sollten. Gefunden habe ich aber nur eine kostenpflichtige 0180-5 Nummer (14 ct./Min. aus dem deutschen Festnetz). Die Festnetz-Nummer lautet übrigens: 069 7191350. Merke: Sie können jede, wirklich jede 0180-Nummer umgehen, indem Sie über Google die Festnetz-Nummer recherchieren, deren Vorhandensein Voraussetzung für den Betrieb einer teuren 0900- oder 0180-Sonderrufnummer ist. Statt eines Telefonates habe ich mich dann lieber für einen Blog-Eintrag entschieden.

Stellen Sie sich bitte vor, Sie kommen, wie jeden Abend, zurück von der Jagd. Der Kampf mit dem letzten Auerochsen war beschwerlich. Das Viech hat Ihnen auf den Fuß getreten, hat furchtbar gestunken und Sie haben geschwitzt wie ein Schwein. Dankt Ihnen das jemand nach Ihrer Rückkehr? Nein, natürlich nicht. Im besten Falle haben Sie Ihre selbstverständliche Pflicht getan. Aber da Sie ja nichts zu Fressen mit nach Hause gebracht haben, brauchen Sie gar nicht erst erwarten, daß man Sie sonderlich freundlich behandelt.

Ihnen ist das egal. Sie sind so fertig, daß Sie nur noch eines wollen: Das Drecks-Bärenfell an die Garderobe hängen, damit die Alte sich nicht gleich noch einmal aufregt, wenn Sie’s in die Ecke pfeffern, wie es sich ja eigentlich gehört. Und dann mit einer Flasche kaltem Wasser ins Bad, mindestens 10 Minuten lang duschen. Haare waschen, sauber werden. Dazwischen immer wieder die 1,5 Liter-Flasche ansetzen und es einfach laufen lassen.

Schon beim ersten Schluck merken Sie: Es schmeckt… anders… Es ist kalt wie immer, es ist glasklar wie immer, es hat ein grünes Volvic-Etikett. Und dennoch… anders. Nein, wirklich nicht schlechter, sondern eher… Au Mann… die Haut und der Magen tut Ihnen schon weh, weil das eiskalte Naß aus der Dusche auf ihren männlichen 106 kg-Körper prasselt und Sie gleichzeitig nicht genug bekommen können von diesem geilen eiskalten Geschmack, den Sie mittlerweile mit grünen Zitronen assoziieren.  Ein Griff durch den Duschvorhang und den iPod ins Sound-System geschoben, Achim Reichels Volxlieder dröhnen durch den Raum: «Mein Schatz, der hat ein‘ Rosenmund…». Goile Mucke, Mann. Sag‘ mir bloß nix gegen deutsche Volkslieder. Der zitronige Geschmack des Getränks läßt langsam nach, ein neues, zartes Schmecken von köstlich frischem Kokos benebelt die Geschmacksknospen, verführt zum Mitsingen. Oh, entschuldigung 😐 falscher Link. Ich meinte natürlich diesen hier. Mir geht’s prächtig.

Jetzt schnell noch rasieren (Merke, liebe Leserin: Trockenrasieren VOR dem Duschen, weil das Wasser die Bartstoppeln aufweicht und der Elektrorasierer sie nicht mehr gut zu fassen bekommt. Naßrasieren NACH dem Duschen, weil unaufgeweichte Barstoppeln störrisch sind, Mann sich häufiger schneidet und dann mit vielen kleinen Toilettenpapier-Stückchen versuchen muß, dezent die Blutungen zu stillen. Ach ja: Was ist die Steigerung von «sich merken»? Merk-Merk: Nie, wirklich NIEMALS den Rasierer des Mannes für die eigene Beinrasur verwenden. NIEMALS, klar? Das törnt Mann völlig ab. — Jetzt noch ein wenig After Shave Balsam ins Gesicht. Nein, nicht nur auf die rasierten Stellen, sondern einmal quer drüber. Kommt gut, wirklich.

Ich könnte Bäume ausreißen, das Bad sieht aus wie ein Schlachtfeld und steht unter Wasser. Was soll’s? Apropos Wasser: Die 1,5 Liter Volvic Sonder Edition (wir verzeihen Danone das fehlende Divis, habe ich gerade beschlossen) sind leer, gluckern glücklich im Takt zur Musik.

Ich gehe runter in die Küche. «Was gibt’s zu essen?» Ja, richtig: Ich komme gern schnell zum Wesentlichen. Vorspiel, Nachspiel… was soll das? In essentiellen Dingen, Essen, Trinken, Lieben,  spiele ich gern «Hurrah, schon wieder Erster». (Dies war eine feinsinnig verpackte Drohung: Nein, ich will wirklich nie wieder eine Beziehung. Falls Sie, liebe Leserin, sich also von meiner Erzählung hier inspiriert fühlen, verlieren Sie sich bitte nicht in Illusionen. Kommen Sie ruhig vorbei, machen Sie sich nackisch, aber lassen Sie die Finger von meinem Rasierapparat. Dann gibt’s auch keine Probleme.) Ich sehe den Strudel eines Schwarzen Loches über der Herrin des Hauses. Andererseits registriere ich, daß sich ihre Nüstern Nasenlöcher weiten. «Mh… Du riechst gut.» Ich kratze mir versonnen die Brusthaare. Nur jetzt nichts falsches sagen. Sie muß sich so einen spontanen Gig im Schlafzimmer schon ganz alleine schönreden. «Ich mach‘ uns nachher ein paar Nudeln mit Pilzen oder so. Nachher. Komm ‚mal mit hoch, ich will Dir ‚was zeigen…» Bingo. 100 Punkte.

Lieber Herr Danone, ich möchte mich auf diesem Wege für Ihr neues Produkt «Volvic Sommer Edition Cocos-Limette» bedanken. Nicht ideal zur Förderung des Jagdglückes in Bezug auf Auerochsen, aber ein deutlicher Gewinn in Bezug auf innere Frische und, um es anglophil auszudrücken, «Säuberness» meines Gemütes. Und offensichtlich auch erfolgreich als indirektes Aphrodisiakum einsetzbar. Sollte Sie sich nun zu einer Danksendung einem Dankschreiben bemüßigt fühlen, so würde ich ein solches in stiller Demut genießen. Meine Anschrift finden Sie im Impressum dieser Netzseite.

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