Preußisches Bleisatz-Magazin
Messer raus

Horst Köhler: Auf ihn mit Gebrüll 3.172 views 1

Seit einigen Tagen gibt es — einmal wieder — einen Aufstand der Anständigen in unserem Land. Neu daran ist: Diesmal geht es nicht um die üblichen Verdächtigen, also bekennende nationalgesinnte Rechte, Neonazis oder schlicht um Leute, die zur falschen Zeit am falschen Ort etwas gesagt haben sollen (sic!), was sich hervorragend für einen Einsatz der Nazi-Keule eignet wie bei Eva Herrmann, der Ex-Tagesschausprecherin, der Verharmlosungen des Nationalsozialismus angedichtet wurde. Zwar erstritt sie sich ihr Recht, aber ‚mal ehrlich: Wer weiß das? Und selbst wenn… im Gedächtnis geblieben ist dann doch eher die peinliche symbolische Hexernverbrennung bei Kerner, zu der in erster Schützenlinie auch eine Margarethe Schreinemakers die Phalanx der aufrechten Antifaschisten verstärkte. Frau Schreinemakers ist die Dame und Exmoderation von Sat1, die sich im Jahr 1996 vom damaligen BRD-Finanzminister Waigel verfolgt fühlte, weil das Finanzamt gegen sie wegen des Verdachtes der Steuerhinterziehung ermittelte. Laut ihrer eigenen Aussage wurde das Verfahren als «schuldlos eingestellt». (Gibt es diese Formulierung bei den Finanzbehörden?). Dagegen stehen Medienberichte, die unwidersprochen von einer Einstellung nach Zahlung einer Geldbuße in Millionenhöhe schreiben. Frau Schreinemakers machte ihren persönlichen Fall zum Thema ihrer Fernsehsendung, Sat1 drohte mit Abschaltung, sie ließ es darauf ankommen und Pitsch… war die Mattscheibe dunkel. Was für eine geschmacklose Angelegenheit. Ich beleuchte sie kurz, um den Mechanismus zu erläutern, mit der man heutzutage politisch arbeitet. Literarisch gesehen, funktioniert die Nazi-Keule übrigens nach der Vorlage von Joseph Hellers «Catch 22». Falls Sie Lust auf Bücher haben, bei deren Lektüre Sie vor Lachen brüllen müssen und nur Augenblicke später stockt Ihnen der Atem vor Entsetzen, dann empfehle ich Ihnen gern dieses Buch.

Ja, ja… wir sind ganz eng am Thema, das da heißt «Bundespräsident Horst Köhler». Sie haben doch sicher mitbekommen, daß sich BRD-Oppositionspolitiker wie der Ex-Kommunist und jetzige Fraktionsvorsitzende der Grünen, Herr Jürgen Trittin darüber erregt, der Herr Bundespräsident habe in einem Interview behauptet, daß der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan auch wirtschaftliche Interessen der BRD wahren würde. In einer im deutschen Fernsehen übertragenen Rede ließ sich Trittin auch zu persönlichen Angriffen auf Horst Köhler herab, verglich sein Benehmen mit dem Ex-Bundespräsidenten Liebe-Neger-Lübke.

Was hat der Herr BRD-Bundespräsident Horst Köhler nun wirklich gesagt?
«…Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Alles das soll diskutiert werden, und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.»

Mh… jetzt wird es spannend. Horst Köhler läßt im Nachhinein korrigieren, er habe gar nicht den Bundeswehreinsatz in Afghanistan gemeint, sondern den gegen die Piraten vor der Küste Afrikas. Aber spielt das eine Rolle? Aus welcher Sicht auch immer betrachtet: Eindeutig nein, es spielt keine Rolle. Der BRD-Bundespräsident Horst Köhler vertritt die Auffassung, daß die Bundeswehr der BRD bei ihren Auslandseinsätzen wirtschaftliche Interessen der BRD vertritt. Punkt.

Ist das gut oder schlecht? Nun, zunächst einmal: Es stimmt natürlich. Er hat vollkommen recht. Das ist auch meine Meinung und wir beide (Ironie /ein), der Herr Bundespräsident und ich (Ironie /aus), stehen mit dieser unserer Meinung nicht allein. Jeder Sozialist weiß: Der Hinweis, daß Kriege oder militärische Einsätze oder wie immer die heute offizielle Lesart dessen ist, was die U$-Army gemeinsam mit NATO-Streitkräften in Afghanistan betreibt, in Wirklichkeit den Interessen der globalen Hochfinanz dienen und von eben dieser initiiert sind.

Nun kann man Herrn Köhler vieles unterstellen. Aber ein Sozialist ist er ganz sicher nicht. Vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten war Herr Horst Köhler Vorsitzender des IWF. Das ist genau der Internationale Währungsfond, der über Kreditvergabe an Nationen eben diese unter die Kontrolle der Hochfinanz zwingt. Herr Köhler ist bestimmt das genaue Gegenteil eines Sozialisten.

Warum hat er das dann so gesagt? Nun. Vielleicht meinte er ja wirklich, wie er im Nachhinein korrigieren läßt, die Schädigung der deutschen Wirtschaft durch die Piraten vor der Küste Afrikas? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, daß die, die nun am lautesten gegen Herrn Köhler anschreien wie Herr Trittin und andere, über dieselben Hintergrundinformationen zu Herrn Köhler und auch zu den wahren Motiven des militärischen Einsatzes in Afghanistan verfügen. Im «Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr», das im Jahr 2006 unter Mitwirkung der SPD entstand, ist die Position der BRD-Regierung zu diesem Thema nachzulesen.

Herr Köhler ist also kein Kritiker des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan aufgrund wirtschaftlicher Interessen der BRD. Wozu also dann der offensichtlich künstlich angefachte Aufstand der Anständigen unter Federführung der Opposition? Aus Prinzip? «Einfach ‚mal mit Dreck bewerfen, irgendetwas bleibt schon hängen.», wie man es bei Eva Hermann erlebte? Nun, Herr Horst Köhler ist keine Eva Hermann. Und Jürgen Trittin keine Margarethe Schreinemakers. Ein Pazifist dürfte Herr Trittin auch nicht sein. Gehört er doch der Partei an, deren damaliger Großer Vorsitzender Mao-Tse-Fischer die Bombardierung Serbiens durch die NATO befürwortete und so den ersten Krieg auf europäischem Boden nach 1945 mitinitiierte. Oder lief das damals unter dem Begriff «Friedensmission»? Den kollateralgeschädigten serbischen Kindern, Frauen und Männern dürfte das ziemlich egal gewesen sein.

Also wo liegt das Motiv der Damen und Herren von der Opposition, Herrn Bundespräsidenten Horst Köhler dermaßen scharf und, ich sag’s einmal, wie es ist, in diffamierender Weise anzugreifen? Selbst dem Unpolitischsten dürfte nun klar sein, daß das Amt des Bundespräsidenten in der BRD dem eines «Grüßonkels» entspricht. Eine echte Schädigung des Amtes, ganz unabhängig von der Person Horst Köhler.

Oder, um es anders auszudrücken: Das System demontiert sich selbst. Prost.

Zum Schluß möchte ich Ihnen aber eine kurze Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke nicht vorenthalten. Wohlgemerkt: Heinrich Lübke war schlicht und einfach krank. Es zeigt die Verachtung gegenüber Mitmenschen, wenn sich Herr Trittin über ihn lustig macht bzw. ihn nennt, um Herrn Köhler als Halbdebilen darzustellen:

  1. Kommentar by Thomas Kersting — 31. Mai 2010 @ 23:55

    „Der Lotse geht von Bord“ – obwohl der Vergleich schwer hinkt – fiel er mir heute Mittag spontan ein.

    Hier scheint sich langsam die ganze Brücke zu verdrücken und die Kapitänin und ihr starr grinsender Steuermann merkeln nichts davon. Lafontaine konnte man noch verstehen doch letzte Woche Koch und nun Horst Köhler? Das Volk muss weiter mitfahren und weiter die Spesen zahlen. Die Abgetretenen kosten Pensionen und die Neuen bekommen Minister- oder Präsidenten-Salär, sind ja nur ein paar Hunderttausend im Jahr!

    Meine Erfahrungen mit kleinen Lokalpolitikern, die engagierte Mitbürger ausnutzen, hatte ich in der Beschreibung zu diesem Video einmal aufgeschrieben:
    http://www.youtube.com/watch?v=j_MWkcSwSOo

    Horst Köhler hat es sicher nicht verdient, jetzt als Drückeberger oder eingeschnappter Einzelgänger betitelt zu werden. Ich erinnere mich noch, wie schwer er sich tat, den „Marschbefehl“ zu unterschreiben. Und wenn jemand diesen ganzen Irrsinn nicht mehr mitmachen kann – was soll er denn sonst tun? Er hat die Wahrheit gesagt, wohl auch, um sein Gewissen zu erleichtern, um dann von diesem langsamdenkenden und -sprechenden grünen Spielkind angemacht zu werden!

    Das deutsche Volk hat einen wertvollen Präsidenten verloren, denn er war mehr ein Mensch als ein Politiker.

    Deutschland, ich fürchte um dich.

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